Sungei Buloh Wetland Reserve

Im Nordwesten erstreckt sich Singapurs erster ASEAN Heritage Park. Das 202 Hektar große Sungei-Buloh-Feuchtgebiet umfasst drei Flussmündungen und ist mit seiner Artenvielfalt ein Highlight für Naturfreunde

Nur eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt eröffnet sich für Singapur-Besucher ein ökologisches Juwel mit erstaunlich reicher Artenvielfalt: dichte Mangrovenwälder, stille Gezeitentümpel und weite Schlickflächen, über denen das Rufen der Wasservögel hallt. Bereits in den 1980er-Jahren erkannten engagierte Naturschützer die Bedeutung des Mündungsgebietes als Rastplatz für Zugvögel. Zwischen September und März landen hier unter anderem Regenbrachvögel, Goldregenpfeifer, Blauschwanzspinte und große Schneereiher – manche von ihnen haben ihren Weg in Sibirien begonnen und legen bis zu 8.000 Kilometer zurück.

Die Mangroven bilden ein verzweigtes Labyrinth aus Wurzeln und Kanälen, das unzähligen Tierarten Schutz bietet: Schlammspringer, die wie Mini-Athleten aus dem Wasser schnellen, farbenfrohe Krebse, die zwischen den Wurzeln balancieren, und scheue, aber imposante Warane. Mit etwas Glück lassen sich sogar Otter oder Krokodile blicken – selbstverständlich aus sicherer Entfernung, denn die Besucher bewegen sich auf erhöhten Holzstegen und erreichen gut platzierte Beobachtungshütten, ohne die Tierwelt zu stören.

Im Jahr 2003 wurde das Feuchtgebiet als Singapurs erster Naturerbepark des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) ausgezeichnet und hat sich seither mit seinem Besucherzentrum und einem sorgfältig angelegten Wegenetz zu einem Modellprojekt für nachhaltigen Ökotourismus entwickelt. Lehrpfade, geführte Touren und interaktive Ausstellungen veranschaulichen, wie sensibel und zugleich widerstandsfähig Mangrovenwälder sind: Sie filtern Wasser, schützen Küsten vor Erosion und dienen zahlreichen Meerestierarten als Kinderstube – ein Aspekt, der in einem dicht bebauten Staat wie Singapur besonders wichtig ist.

Coastal Trail

Das Reservat lässt sich auf zwei kürzeren und zwei längeren Routen erkunden. Der 1,3 Kilometer lange „Coastal Trail“ führt an Teichen vorbei über Wattflächen und durch Mangroven zu mehreren Vogelbeobachtungspunkten. Der knapp zwei Kilometer lange „Migratory Bird Trail“ eignet sich dank zahlreicher Unterstände hervorragend zur Vogelbeobachtung: Neben heimischen Arten wie Reihern, Eisvögeln, Nektarvögeln und Silberreihern sind zwischen September und März viele Zugvögel zu sehen. Der „Mid-Canopy Walk“, ein 150 Meter langer erhöhter Steg, führt in das Blätterdach eines Sekundärwaldes, der 300 Meter lange „Forest Trail“ durch die Mangroven. Frühmorgens und während der Ebbe sind die besten Zeiten, um das reiche Vogelaufkommen zu erleben.

Das Sungei Buloh Wetland Reserve ist ein Ort, an dem man die Stadt vergessen und dennoch viel über sie lernen kann – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie konsequent in Singapur Naturschutz gedacht und gelebt wird.

Coastal Trail

Sungei Buloh Wetland Reserve
Kapitel 1 : Sungei Buloh Wetland Reserve
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